ZEITSCHRIFT FÜR VISUELLE JURISPRUDENZ ~ 1st JOURNAL OF VISUAL JURISPRUDENCE ~ ZVJ ~

Beitrag: Umgang von Ermittlungsbeamten, Staats- und Amtsanwaltschaft und Verteidigung mit Fahndungsfotos im Ermittlungsverfahren und Strafprozess
 

Derzeit bereite ich einen weiteren Aufsatz über Umgang und Verwertbarkeit von Fahndungsfotos und ihrem Gehalt für die Praxis mit obigem Titel vor.

Wie sind Bilder zu lesen? Wie lesen Ermittlungsbeamte und Staatsanwaltschaft Bilder im strafprozessualen Kontext? Wie sollen Rechtsanwälte bereits im Ermittlungsverfahren und später im Strafprozess adäquat reagieren?

Hier muss im Rahmen von § 261 StPO reflektiert werden, welche Betrachtungsweise und welche zusätzlichen Randbemerkungen und Erscheinungen und Handlungen den bloßen Vergleich eines Fahndungsfotos mit einer lebenden Person mit beeinflussen können.

Interessant für die Praxis ist somit, ob das Lesen und Vergleichen von Fahndungsfotos zu Beweiszwecken bei Ermittlungsverfahren und vor Gericht einer besonderen Übung bedarf, die frei von Emotionen und anderen äußeren Einflüssen zunächst zu erfolgen hat und erst dann unter den subjektiven und weiteren Einflüssen des jeweiligen Beamten zu untersuchen ist. Dies ist auf den ersten Blick aufgrund der menschlichen Konstitution und natürlich der geschulten Neugier von Ermittlungsbeamten ein nur theoretischer Wunsch des Strafverteidigers. Für den Richter ist die forensische Wahrheit die maßgebliche Grundlage für die Sachentscheidung. Hier muss der Richter aufgrund der Hauptverhandlung, die durchzuführen ist nach den Grundsätzen der Unmittelbarkeit voll überzeugt sein, dass es sich bei der gesuchten Person auf dem Tatfoto/Fahndungsfoto um die gleiche Person handelt, wie der Beschuldigte und spätere Angeschuldigte sowie Angeklagte.[1]

Bereits im Jahre 1991 haben Stadler und Schindler die Beweiswürdigung durch Zeugen und Fahndungsfotos problematisiert und ein „experimental-psychologisches Gutachten zum Dilemma des Zeugen in der Wiedererkennungssituation“ erstellt[2].

[Der Beitrag wird fortgesetzt…]

[1] vergleiche Meyer-Goßner, Strafprozessordnung § 261 Rn. 1.

[2] Vgl. Stadler, Schindler, StV 1991, 38

 

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